rush-hour
- 28. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Es ist diese Zeit, in der zwei kleine Menschen gleichzeitig deine ganze Welt sind.
Alles will jetzt.
Alles braucht sofort
Der eine möchte alles selbst,
die andere kann noch nicht viel allein.
Der eine rennt energiegeladen und mit unbändigem Willen los,
die andere zieht sich an deinen Beinen dem Leben entgegen.
Immer in Bewegung.
Immer auf dem Weg.
Und immer mit dir.
Zwei Kinder.
Vier Arme, die nach dir greifen.
Unzählige Bedürfnisse, die nicht warten können.
Es ist diese Zeit, in der sich Trotz und Tränen abwechseln,
loslassen und getragen werden wollen.
In der die Tage voll sind mit Gefühlen, die noch keinen Namen kennen
und mit Neugier, die manchmal auch zu mutig ist.
Und irgendwo dazwischen bist du.
Du tröstest.
Erklärst.
Schlichtest.
Wachst.
Ermutigst.
Begleitest.
Spielst.
Fängst auf.
Immer wieder.
Du bist der sichere Hafen, während um dich herum Stürme toben und
manchmal, da kostet es dich alles, nicht mitgerissen zu werden.
Denn während du versuchst, ihre Grenzen zu wahren,
sind deine eigenen längst schon erreicht.

Am Abend wird daraus ein kleines Schauspiel:
Du schneidest Gemüse in die passende Größe,
Pizza in die gewünschte Form.
Du suchst den richtigen Teller,
findest den falschen Becher.
Weltuntergang.
Du verteilst.
Reichst.
Wischst.
Füllst nach.
Erst wenn alles versorgt scheint,
setzt du dich.
Der erste Bissen.
"Du-urst!"
Ein Becher ist leer.
Ein Löffel fliegt auf den Boden.
Das Baby möchte auf deinen Schoß,
der Große noch ein Stück Pizza.
Du stehst auf.
Und wieder.
Und noch einmal.
Dein Essen wartet.
Dein Hunger auch.
Fünfmal unterbrochen.
Vielleicht auch zehnmal.
Du weißt es längst nicht mehr.
Es ist diese Zeit, in der du ständig gibst.
Geduld.
Aufmerksamkeit.
Nähe.
Kraft.
Berührungen.
Worte.
Dich selbst.
Und manchmal fragst du dich, wann eigentlich jemand bemerkt,
wie viel von dir in diesen Tagen steckt.
Ja, es ist diese Zeit, in der ein Tag aus allen Nähten platzt
und doch hat er keine Minute mehr als 24 Stunden haben.
Alles geschieht gleichzeitig.
Jeder braucht etwas.
Immer.
Meistens sofort.
So fühlt sich diese Zeit an:
Rush-Hour.
Nicht auf Straßen, sondern im Herzen.
Und auch im Kopf.
Und es mag sein, dass deine Arme eines Tages wieder leichter werden.
Dass du nicht mehr nur im Dazwischen lebst:
zwischen Bedürfnissen anderer isst,
zwischen Mami-Rufen atmest
und zwischen tausend Fragen kaum zu Ende denkst.
Ja, es wird sein, dass die Stille, nach der du dich heute sehnst,
sich morgen vielleicht zu still anfühlen wird.
Doch das Morgen macht das Heute nicht leichter.
Bis dahin bleibt diese Zeit wohl meine Rush-Hour des Lebens:
Laut.
Chaotisch.
Unterbrochen.
Verteilt.
Fordernd.
Kräftezehrend.
Und unendlich nah.
...und mittendrin entsteht Kindheit.



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