braves Kind
- vor 2 Tagen
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das brave Kind
weint nicht viel
ist zufrieden
schläft nachts durch
ist unkompliziert
braucht nicht viel
lächelt immer und mit jedem
sitzt still
isst auf
wirft nichts
gehorcht
spielt allein
ist gut gelaunt
beschwert sich kaum
ist nicht wütend
sagt bitte
sagt danke
grüßt alle
teilt
schenkt Küsschen
lässt sich küssen
ist nicht laut
ist nicht zu still
redet und antwortet
geht aufs Töpfchen
haut nicht
ist immer lieb
das brave Kind
existiert nicht.

das „echte“ Kind
weint, wenn es etwas braucht
ist mal zufrieden und mal nicht
wacht nachts manchmal auf - mal häufiger, mal weniger oft
lächelt, wenn ihm danach ist
zappelt manchmal
hat Bewegungsdrang
ist auch mal satt und manchmal wählerisch
weiß nicht, was gehorchen heißt
spielt meistens lieber in Gesellschaft anstatt allein
hat auch schlechte Tage
lebt seine Gefühle ungefiltert und sagt, was es denkt
versteckt seine Wut nicht, sondern lebt sie aus
lernt „bitte“ und „danke“ sagen - mit der Zeit
will seine Spielsachen oft lieber für sich behalten
schenkt Nähe von sich aus, wenn es das will
weiß, wer seine Bezugspersonen sind
ist laut und manchmal schüchtern,
eine kleine Plaudertasche oder vermeintlich stumm
geht aufs Klo, wenn es bereit ist
weiß nicht immer, was es tut
lernt erst, sich in andere hineinzuversetzen
es ist nicht dafür bestimmt, um Erwartungen zu erfüllen.
Nicht dafür, leise in unsere Vorstellungen zu passen.
…denn es liegt nicht in der Natur eines Kindes,
brav zu sein
und zu funktionieren.
Sondern zu wachsen.
Zu fühlen.
Zu stolpern.
Zu staunen.
Lebendig zu sein - wild, echt und ungebändigt.
...um so unbeschwert seinen eigenen Weg zu finden,
Schritt für Schritt.
Und vielleicht ist es genau das,
was wir lernen dürfen:
nicht das Kind zu formen,
sondern ihm die Hand zu reichen,
da zu sein
und es zu begleiten.



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