top of page

braves Kind

  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

das brave Kind

weint nicht viel  

ist zufrieden  

schläft nachts durch  

ist unkompliziert  

braucht nicht viel  

lächelt immer und mit jedem  

sitzt still  

isst auf  

wirft nichts  

gehorcht  

spielt allein  

ist gut gelaunt  

beschwert sich kaum  

ist nicht wütend  

sagt bitte  

sagt danke  

grüßt alle  

teilt 

schenkt Küsschen  

lässt sich küssen  

ist nicht laut  

ist nicht zu still  

redet und antwortet  

geht aufs Töpfchen  

haut nicht  

ist immer lieb  

 

das brave Kind  

existiert nicht.  

 

Ein lachendes Kind sitzt in einem Pappkarton. Hintergrund mit blauen und goldenen abstrakten Mustern. Handgeschriebener Text.

das „echte“ Kind  

weint, wenn es etwas braucht  

ist mal zufrieden und mal nicht  

wacht nachts manchmal auf - mal häufiger, mal weniger oft 

lächelt, wenn ihm danach ist  

zappelt manchmal  

hat Bewegungsdrang  

ist auch mal satt und manchmal wählerisch  

weiß nicht, was gehorchen heißt  

spielt meistens lieber in Gesellschaft anstatt allein  

hat auch schlechte Tage  

lebt seine Gefühle ungefiltert und sagt, was es denkt  

versteckt seine Wut nicht, sondern lebt sie aus  

lernt „bitte“ und „danke“ sagen - mit der Zeit  

will seine Spielsachen oft lieber für sich behalten 

schenkt Nähe von sich aus, wenn es das will 

weiß, wer seine Bezugspersonen sind  

ist laut und manchmal schüchtern,  

eine kleine Plaudertasche oder vermeintlich stumm  

geht aufs Klo, wenn es bereit ist  

weiß nicht immer, was es tut  

lernt erst, sich in andere hineinzuversetzen  

 

es ist nicht dafür bestimmt,
um Erwartungen zu erfüllen.  

Nicht dafür,
leise in unsere Vorstellungen zu passen.  

 

…denn es liegt nicht in der Natur eines Kindes,  

brav zu sein  

und zu funktionieren.  

 

Sondern zu wachsen.
 

Zu fühlen.
 

Zu stolpern.
 

Zu staunen.  

Lebendig zu sein - wild, echt und ungebändigt.

 

...um so unbeschwert seinen eigenen Weg zu finden,
 

Schritt für Schritt.  

 

Und vielleicht ist es genau das,
 

was wir lernen dürfen:  

nicht das Kind zu formen,
 

sondern ihm die Hand zu reichen, 

da zu sein 

und es zu begleiten. 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.
bottom of page